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Barrierefreiheit und Inklusion in Kulturhäusern: Vielfältige Anforderungen

Teilhabe – Kunst mit den Händen sehen

Auch für Menschen mit Sehbehinderungen sind bauliche Erleichterungen wichtig: Blindenleitsysteme auf dem Boden können sehr unterschiedlich aussehen, manchmal reicht schon ein Teppich aus. Für Menschen, deren Sehvermögen stark eingeschränkt ist, sind klare visuelle Zeichen wichtig: Die Treppenkanten sollten gekennzeichnet sein. Am besten sollte auch die Sitzplatznummerierung intestine sichtbar und mit starken Kontrasten angebracht sein.

Viele Theater wie das Deutsch-sorbische Volkstheater Bautzen oder sogar die Oper Leipzig bieten inzwischen Audiodeskription zu einzelnen Inszenierungen. Besucher*innen können meist vorher die Bühne begehen, um sich einen Eindruck von der Ausstattung zu machen. Anhand eines vorher ausgearbeiteten Skripts werden dann während der Vorstellung die Bewegungen des Ensembles beschrieben. In Museen gehören Audioguides zwar inzwischen quick schon zum Commonplace, richten sich jedoch nicht immer an Menschen mit Sehbehinderungen, weil es keine Bildbeschreibungen gibt. So ist es auch im hallischen Kunstmuseum Moritzburg, das dafür aber gesonderte Führungen anbietet und einzelne Stücke als Tastbilder erfahrbar macht.

Mehrere Zeichen verwenden

Als Mensch mit einer Hörbehinderung in der Lausitz ins Theater zu gehen, ist vermutlich eine große Erleichterung, da diese Häuser sowieso regelmäßig mit Übertiteln arbeiten, um im Saal eine Gemeinschaft aus sorbisch-, polnisch- und deutschsprachigem Publikum zu ermöglichen. Übertitel in Theatern sind eine verhältnismäßig einfache Type der Inklusion, allerdings nicht die bestmögliche. Eine Begleitung mit Gebärden erleichtern den Zugang erheblich, weil der Zugang über die Schriftsprache eben nicht ohne Hürden ist. In Bautzen werden die Inszenierungen im Sommertheater beispielsweise regelmäßig von Gebärdendolmetscher*innen begleitet.

Auch im Museum scheint eine Einschränkung der Hörfähigkeit weniger problematisch. Um voll inklusiv zu sein, sollten jedoch auch Führungen in Gebärdensprache angeboten werden. Bei Ausstellungen mit Video-Elementen gilt es ebenfalls Barrieren abzubauen, am einfachsten, indem der Textual content auf einen Zettel gedruckt wird, idealerweise mit einem begleitenden Video in Gebärdensprache. Für Menschen mit Hörbehinderungen muss zudem sichergestellt werden, dass die Kommunikation immer über zwei Sinne erfolgt – additionally, dass der Alarm über einen Ton und ein Lichtzeichen erfolgt.

Kino mit Hilfsangeboten für behinderte Menschen

Das Kino nimmt in dieser Debatte eine gesonderte Stellung ein: Die Anforderungen ähneln denen im Theater, wobei die Gebäude oft jünger sind und so leichter Barrieren vermieden werden können. Dabei sollte auch ein Leitsystem für Menschen mit Sehbehinderungen bedacht werden.

Für die Filme selbst sind die Kinos ähnlich wie bei Ihrem Programm wiederum auf andere Angebote angewiesen. Für Audiodeskription bei Filmen gibt es Apps, die über Spracherkennung die Stellen im Movie identifizieren, wo die Beschreibungen eingespielt werden sollen. Auch Menschen mit Hörbehinderungen können über das Helpful Untertitel auslesen, müssen dabei aber auf das Verständnis des restlichen Publikums setzen – das sich vom Handyleuchten nicht stören lassen soll.

Leichte Sprache und Verhaltensregeln erleichtern Inklusion

Für Menschen mit geistigen Einschränkungen oder Verständnisproblemen sollten Inhalte in sogenannter Leichter Sprache verfasst werden, damit auch sie Zugang zu den Inhalten bekommen. Dafür können Skilled*innen beauftragt werden, die die Texte übertragen, um den Anforderungen für unterschiedliche Gruppen zu entsprechen. So werden Kulturinstitutionen auch integrationsfreundlicher, weil sie auch Menschen mit sprachlichen Schwierigkeiten den Zugang ermöglichen. So hat das Kunstmuseum Moritzburg aktuell alle Texte, die zu den einzelnen Ausstellungsräumen an den Wänden stehen, in Leichte Sprache übertragen lassen. Die Expertin Stefanie Koehler meint, dass auch Theaterstücke beziehungsweise -klassiker in Leichte Sprache übersetzt werden könnten.

Doch nicht nur die Sprache hält Menschen ab, ins Theater zu besuchen: Menschen mit Autismus haben beispielsweise Angst, sich nicht richtig zu verhalten oder sich nicht zurechtfinden zu können. Eine gute Beschilderung ist wichtig, um menschlichen Kontakt zu reduzieren. Die Landesbühnen Radebeul haben zeitweise Relaxed Performances angeboten, um Menschen einen Secure Area zu geben. Dort mussten sie keine Angst haben, komisch angesehen zu werden, wenn sie zwischendurch vom Platz aufspringen.

Im Theater Bautzen gibt es dazu keine konkreten Pläne – man wolle immer für alle offen sein. Am wichtigsten sei dafür eine gute und offene Kommunikation: Welche Reize gibt es auf der Bühne – triggern diese oder helfen sie sogar, sich zu konzentrieren. Denn Menschen im autistischen Spektrum können sich mit lauter Musik oder starken Bildern von den für sie komplizierten Menschen um sie herum ablenken. Diese Menschen müssen wissen, wie sie sich verhalten dürfen, ob sie das durchhalten können und wie viel Verständnis für sie da ist.

Sensibilisierung und Sichtbarkeit

Gerade im Private liegt der wichtigste Schlüssel: Viele Verbände wünschen sich mehr Menschen mit Behinderungen in den Kulturinstitutionen, auch im künstlerischen Bereich. Die tägliche Begegnung sensibilisiert nämlich für die unterschiedlichen Bedürfnisse. Einige Betroffene sind dabei aber auch skeptisch – sie wollen nicht auf ihre Behinderung reduziert werden und immer aktivistisch tätig sein müssen.

Noch wichtiger ist sowieso, dass die Angestellten intestine geschult sind: Beim Gespräch mit Menschen mit Hörbehinderungen muss das Private deutlich gestikulieren. Rollstuhlfahrer müssen leicht jemanden finden können, der die Schlüssel zu Fahrstühlen oder Behinderten-WCs hat. Wenn Menschen mit Behinderungen sich melden, müssen sie Auskunft geben können, was bei ihnen möglich ist. Für Uta Pott vom Gleimhaus in Halberstadt ist klar: Viele Hürden in ihrem Museum lassen sich durch menschliche Unterstützung ausgleichen.

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