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Gewalt an Potsdamer Integrations-Kita: Behinderte Kinder wurden eingesperrt

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Erzieherinnen sperrten Kinder ein: Gewalt-Vorfall an Potsdamer Kita

Fünf Kinder sollen betroffen sein, darunter auch solche mit Behinderungen.

Potsdam. In einer Potsdamer Kita sind mehrere Kinder mutmaßlich Opfer von Gewalt durch ihre Erzieherinnen geworden. Am Donnerstagabend hat die Bildungsbeigeordnete der Stadt, Noosha Aubel (parteilos), den Jugendhilfeausschuss im nicht öffentlichen Teil der Sitzung darüber informiert, ohne nähere Einzelheiten oder den Träger der Kita zu nennen. Teilnehmern der Runde zufolge waren Nachfragen nicht möglich.

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Eine MAZ-Recherche ergab: Betroffen ist die Integrationskita an der Nuthe im Stadtteil Schlaatz, eine Einrichtung der evangelischen Hoffbauer-Stiftung. Deren Geschäftsführer Frank Hohn bestätigt die Vorwürfe. “Es gibt einen begründeten Verdacht”, so Hohn. Zwei Mitarbeiterinnen der Kita sollen fünf Kinder im Kindergartenalter über einen längeren Zeitraum wiederholt eingesperrt haben, auch von “Toilettenzwang” ist die Rede. Anhaltspunkte für Schläge gegen die Kinder gebe es nicht, sagt Frank Hohn.

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Potsdams Jugendamt und Brandenburger Bildungsministerium sind informiert

Bekannt wurden die mutmaßlichen Übergriffe vor rund einer Woche durch Hinweise einer weiteren, unbeteiligten Mitarbeiterin. Der Träger habe sofort gehandelt, sagt Frank Hohn: „Die beiden Mitarbeiterinnen sind derzeit freigestellt, ihnen wurde zudem ein Hausverbot ausgesprochen.“ Auch die Kita-Leitung wurde versetzt, die Eltern informiert, im Staff über die Vorfälle gesprochen. Jugendamt und Bildungsministerium sind demnach im Bilde, es gab einen Vor-Ort-Termin in der Kita und intensive Gespräche.

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Die Integrationskita der Hoffbauerstiftung betreut insgesamt 91 Kinder mit und ohne Behinderung. Zum Staff gehören Erzieherinnen, aber auch Heilerziehungspfleger, Sonderpädagoginnen, eine Physiotherapeutin. „Wir verstehen unsere Arbeit als ganzheitlichen und partnerschaftlichen Umgang mit den Kindern zur Verselbstständigung ihrer Persönlichkeit“, heißt es im Vorstellungstext der Einrichtung. Tatsächlich sei die Arbeit mit Kindern mit besonderem Förderbedarf „besonders herausfordernd“, sagt Frank Hohn. „Eigentlich gibt es in dieser Einrichtung gute Rahmenbedingungen, so eine permanente Doppelbesetzung in den Gruppen.“ Trotzdem konnte es mutmaßlich zu Gewalt gegen Kinder kommen: Die unter Verdacht stehenden Mitarbeiterinnen haben „eng zusammengearbeitet“. Hoffbauer-Chef Hohn spricht von einer „Überforderungssituation der pädagogischen Fachkräfte“, in der „nicht adäquat reagiert“ worden sei. „Es gibt keine Entschuldigung, wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten“, betont er.

Gewalt in Kitas hat zugenommen

Der Potsdamer Kita-Elternbeirat reagiert shockiert auf die Vorwürfe. “Zuerst hoffen wir, dass es den Kindern und Familien intestine geht”, sagt Robert Witzsche vom Vorstand der Elternvertreter. “Das alles zeigt, dass wir mehr qualifiziertes Private in den Einrichtungen brauchen. Es kann keine Entschuldigung geben, aber die Mitarbeitenden sind am Restrict.” Robert Witzsche verweist auf eine Studie zu Gewalt an Kitas in Bayern, die Ende 2022 veröffentlicht wurde. Diese besagt, dass die Zahl der Fälle körperlicher oder seelischer Gewalterfahrung in den Kitas im Freistaat um quick 50 Prozent zugenommen hat.

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Die Aufsichtsbehörden sehen den Grund für diesen Anstieg im Personalmangel in den Kindergärten. „Im Kern sehen wir hier einen Warnruf“, sagt Robert Witzsche, „der Träger scheint intestine reagiert zu haben, nun müssen aus unserer Sicht alle Träger und Einrichtungen prüfen, ob sie entsprechende Mechanismen haben.“ Informationen von Mitarbeitern, aber auch von Eltern, die Verdachtsfälle beträfen, müssten sofort ernstgenommen werden. „Und es ist zu prüfen, ob die Meldeketten in den Behörden funktioniert haben, denn auch eine Woche bis zum Bekanntwerden ist eine lange Zeit.“

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Wie es den Kindern geht, ist nicht bekannt

Nachfragen der MAZ, wann und in welcher Kind das Jugendamt von den Vorwürfen erfahren hat, will die Pressestelle des Rathauses nicht beantworten. Ein Sprecher bestätigt lediglich einen entsprechenden Vorfall. Das Bildungsministerium bestätigt „kindeswohlgefährdende Ereignisse“, einen Besuch in der Einrichtung und die Kommunikation mit dem Träger, verweigert aber mit Hinweis auf das laufende Verfahren weitere Auskünfte.

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Für die Mitarbeiterinnen gilt die Unschuldsvermutung. Frank Hohn sagt: „Wir reden derzeit von einem Verdacht. Nach der Klärung kann es arbeits- und gegebenenfalls strafrechtliche Konsequenzen geben.“ Zur psychischen und physischen Gesundheit der betroffenen Kinder ist nichts bekannt.

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