Skip to content

Inklusive Artistik: Der Circus Sonnenstich im „Chamäleon“

jubiläumsgala

Inklusive Artistik: Der Circus Sonnenstich im „Chamäleon“


Der Circus Sonnenstich im Chamäleon.

Photograph: sandra schuck

Darbietungen voll sprühender Lebenslust: Im „Chamäleon“ zeigen Menschen mit Behinderung, was sie drauf haben.

Für einen kurzen Second ist es dunkel auf der Bühne. Und mucksmäuschenstill. Ein weißblau leuchtendes Diabolo schwingt währenddessen in so eleganten wie irrwitzigen Bahnen durch die Lüfte. Eine außergewöhnliche Efficiency von Artistin Sol Rein-Saunders. Wie überhaupt die Diabolo-Jonglage an diesem Abend groß geschrieben wird, der gleich zwei Acts mit virtuosen Kunststücken und Kombinationen bietet, aber natürlich noch weitaus mehr grandiose Methods in unterschiedlichsten Disziplinen zu bieten hat.

Nach über zwei Jahren coronabedingter Stay-Abstinenz ist das Ensemble des Circus Sonnenstich zurück auf der Bühne des „Chamäleon“. Und zwar mit der Jubiläumsgala zum 25-jährigen Bestehen des inklusiven Zirkus im Rahmen der Gastspielreihe „Play“. Die beiden Vorstellungen ihrer Present „KaraK-Visions“ waren die ersten, die ausverkauft waren. Schließlich sind die Artisten und Artistinnen mit Trisomie 21 für ihre wundervollen Darbietungen voller sprühender Lebenslust bekannt.

„Demokratie braucht Inklusion“

Unter den begeisterten Zuschauern ist auch Schauspielerin Katharina Wackernagel, seit 2012 Schirmherrin des Circus Sonnenstichs, sowie Jürgen Dusel, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung. Er sagt eingangs: „Demokratie braucht Inklusion.“

Wie die Künstler mit Behinderung den Zirkus bereichern, wie sie inspirieren, zeigen sie gleich zu Beginn mit einer Ensemble-Choreographie. Das „Wir“ steht nämlich an diesem Abend immer an erster Stelle. Die Akrobaten mit ihren unterschiedlichen Körpern und künstlerischen Kompetenzen geben sich untereinander Sicherheit. Leisten ab und an gegenseitig Hilfestellung, lassen sich von Trainern sacht helfen. Präsentieren zudem auch mit ihnen sowie artistischen Gästen Tandem-Nummern. Wie Anne-Sophie Mosch, die mit Hula-Hoop-Artistin Mika silbrig schimmernden Hoops in ausdrucksstarke Bilder verwandelt.



Überraschend sind die immer neuen Kombinationen. Etwa von Akrobatik und Tanz mit einem großen roten Gymnastikball. Auf dem Gerät entspinnt sich nicht nur ein ungewöhnlicher Pas de deux. Es ist auch bestens geeignet für Bodenakrobatik oder als Fortbewegungsmittel. Zumindest für diejenigen, die tatsächlich darauf laufen können. Heftig umjubelt wird auch das Fünfer-Workforce am Doppel-Trapez, das immer neue, erstaunliche Methods teils sogar synchron zeigt.


Was misslingt, wird oft einfach weggelacht

Vier Artisten wagen hingegen den schwierigen Steadiness-Act auf den Rola-Bolas. Eine höchst wacklige Sache. Schließlich liegen die Bretter lose über einem zylindrischen Rohr. Wenn etwas mal nicht ganz so klappt wie erhofft, hagelt es zuweilen je nach Temperament verärgerte Blicke. Oder is wird einfach weggelacht.

Auch die fünf Gäste dürfen mit ihren Acts Akzente setzen. Etwa Tonke Reimann mit seinem Cyr Wheel. Mit dem Mono-Reifen rockt er die Bühne äußerst kraftvoll und mitreißend, während Ariane Oechsner mit einer originellen und witzigen Fuß-Jonglage mit gleich sechs Bällen begeistert. Im Mittelpunkt steht aber selbstredend des Ensemble des Circus Sonnenstich mit seiner einzigartigen Verbundenheit, seinem großartigen Können und der unbändigen, strahlenden Freude.



.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *