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Lieferprobleme: Apothekerin schlägt Alarm wegen Engpässen bei Medikamenten

Wer dieser Tage an der Pasewalker Eichen-Apotheke im Landkreis Vorpommern-Greifswald vorbeigeht, dem werden die Zettel in den Schaufenstern auffallen. „Patienten und Apotheken befinden sich im Würgegriff von Politik und Krankenkassen“, ist darauf unter anderem zu lesen. Apothekerin Gundel Ellmann beteiligt sich an einer Initiative, die Druck auf die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) ausüben möchte.

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Neues Gesetz zu Defiziten bei den Krankenkassen

„Im Oktober wurde das ‚GKV-Finanzstabilisierungsgesetz’ verabschiedet. Da die Krankenkassen große Defizite haben, wird nun überall der Sparhebel angesetzt. Aber aufgrund der explodierenden Kosten ist es schwer für uns, mit den Honorarkürzungen zu leben“, sagt Gundel Ellmann, die ihre Apotheke seit 27 Jahren betreibt.

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Kassen zahlen weniger für bestimmte Leistungen

Leistungen, die früher von den Krankenkassen bezahlt wurden, werden ab Januar 2023 geringer vergütet. Für eine durchschnittliche Apotheke gingen so rund 8000 Euro professional Jahr verloren, sagt die Pasewalker Apothekerin. „Theoretisch müsste ich dieses Geld jetzt an anderer Stelle einsparen. Aber das kann ich nicht. Unsere Mitarbeiter haben es verdient, ein faires Gehalt und einen Inflationsausgleich zu bekommen. Es gibt kein weiteres Einsparpotenzial.“

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Nur einer von 47 Herstellern kann liefern

Noch wichtiger sei ihr, die Patienten auf die Liefersituation bei Arzneimitteln aufmerksam zu machen. „Bestimmte Medikamente sind kaum noch lieferbar, zum Beispiel Antibiotika, Blutdrucksenker, Fiebersäfte, Schmerzmittel, Insulin, Magenschutzpräparate und Antidepressiva“, zählt Gundel Ellmann auf. Die Liste werde beinahe täglich länger. Sie zeigt das am Beispiel von Pantoprazole 40mg, einem gängigen Magenpräparat. „Insgesamt gibt es 47 verschiedene Hersteller für dieses Produkt. Von diesen Herstellern ist nur noch einer übrig, der das Medikament liefern kann. Und wir können davon ausgehen, dass das auch irgendwann nicht mehr geht.“

Arzneien für Kinder betroffen

Ein weiteres Beispiel seien Paracetamol-Säfte für Kinder. „Weil es unretabel ist, gibt es nur noch zwei Firmen in Deutschland, die den Saft herstellen. Auch Ibuprofen-Saft für Kinder ist kaum noch erhältlich“, weiß die Apothekerin. Zudem würden Präparate kontingentiert – jede Apotheke erhalte nur eine gewisse Anzahl an Medikamenten. „Es geht darum, dass die Apotheken wenigstens noch ein kleines bisschen von dem, was noch da ist, abbekommen.“

Apotheken helfen sich untereinander aus

Unterstützen sich Apotheker bei Engpässen gegenseitig? „Naturlich sind wir kollegial. Es geht ja darum, dass der Affected person versorgt wird. Wir hatten schon mehrfach Mütter mit ihren Kindern hier, die ein Antibiotikum geholt haben, weil sie es nicht woanders bekommen haben. Aber so ein Antibiotikum ist für eine Therapie wichtig. Da kann man die Patienten nicht einfach vertrösten“, sagt Ellmann. Sonst müsse man sich gemeinsam mit dem Arzt überlegen, ob auch ein anderer Wirkstoff für die Therapie geeignet sei. Das bedeute wiederum einen weitaus höheren Aufwand.

Manufacturing in Ausland

Eine Ursache des Issues sei die Verlagerung der Produktion ins Ausland, sagt Gundel Ellmann. Hauptsächlich nach Indien und China. Von dort würden die meisten Wirkstoffe und Arzneimittel bezogen. Deutschland habe sich abhängig von der Produktion aus dem Ausland gemacht. „Wenn andere Branchen in so einer Scenario sind, wird gestreikt. Das ist aber bei uns ethisch und moralisch nicht vertretbar. Wir müssen etwas dafür tun, dass die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimittel durch die Apotheken vor Ort erhalten bleibt.”

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