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„Mit Handicap ist soziale Teilhabe schwer“

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From: Bettina Stuhlweissenburg

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Eine Artwork Fb für Menschen mit Behinderung hat der Holzkirchner Wolfgang Burgert programmieren lassen. Vor einem Jahr gründete der Vater einer autistischen Tochter die Stiftung „Daremanus“. © Stefan Schweihofer

Eine Artwork Fb für Menschen mit Behinderung hat der Holzkirchner Wolfgang Burgert programmieren lassen. Vor einem Jahr gründete der Vater einer autistischen Tochter die Stiftung „Daremanus“. Im Interview erklärt er, wie Digitalisierung die Inklusion voranbringen soll

Holzkirchen – Trotz Inklusion sind Menschen mit Behinderung noch immer aus vielen Bereichen des Lebens ausgeschlossen. Um ihnen Teilhabe zu ermöglichen, hat der Holzkirchner Wolfgang Burgert (63) die Stiftung „Daremanus“ gegründet. Anlässlich des ersten Geburtstags seiner Stiftung zieht er Bilanz.

Herr Burgert, vergangenes Jahr haben Sie die Stiftung Daremanus für Menschen mit körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung gegründet. Was versteht man denn unter „seelischer Behinderung“?

Wolfgang Burgert: Menschen mit seelischer Behinderung sind in ihrer Wahrnehmung, in ihrem Fühlen und in der Interaktion mit anderen beeinträchtigt. Zu den seelischen Behinderungen zählen zum Beispiel Autismus, ADHS, Depressionen und Schizophrenie. Anders als eine körperliche Beeinträchtigung ist eine seelische für Außenstehende nicht immer gleich zu erkennen. Dennoch brauchen Betroffene Hilfe und eine sehr intensive Zuwendung. Ich habe die Stiftung gegründet, um Betroffene mit Menschen zusammenzubringen, die gerne helfen wollen. Ich habe selbst eine autistische Tochter und weiß, wie schwer die soziale Teilhabe ist.

Welche Projekte konnten Sie im ersten Jahr realisieren?

Wolfgang Burgert: Wir haben gemeinsame Unternehmungen von Menschen mit und ohne Behinderung ermöglicht und diese finanziell unterstützt. Anfang Oktober 2022 zum Beispiel fand in Franken eine Freizeitwoche für eine Gruppe von 25 Menschen mit sehr unterschiedlichen Behinderungen und ihren Betreuern statt. Außerdem habe wir eine digitale Plattform programmieren lassen, auf der Menschen mit und ohne Behinderung kommunizieren können. Sie können chatten, Gruppen gründen oder ihre Wünsche äußern. Meine Tochter zum Beispiel geht gern ins Theater. Aber sie kann das nicht allein, sie braucht Begleitung. Ein anderer würde vielleicht gern einen Ausflug an den Chiemsee machen. Die Idee ist, soziale Teilhabe mithilfe der Digitalisierung zu ermöglichen.

Eine Artwork Fb für Menschen mit Behinderung?

Wolfgang Burgert: Richtig. Nur dass unsere App barrierefrei und geschützt ist. Die Oberfläche ist so gestaltet, dass sie intuitive funktioniert, mit einfacher Symbolik. Außerdem wird der Zugang geprüft, um sicherzustellen, dass Betroffene nicht ausgenutzt werden. Menschen mit Behinderung brauchen mehr Schutz, weil sie Gefahren nicht intestine einschätzen können. Und anders als Fb samen wir keine Daten, die dann für kommerzielle Zwecke genutzt werden. Außerdem wollen wir über die Plattform Spenden generieren. Die Idee ist, dass sich Spender eine konkrete Unternehmung aussuchen, die sie unterstützen. Manchmal weiß man ja als Spender nicht: Was genau passiert mit meinem Geld? Hier können sie sicher sein, dass ihr Geld eins zu eins ins Projekt fließt. Kein einziger Euro geht für Administration verloren.

Interessieren sich Menschen ohne Behinderung überhaupt für die App?

Wolfgang Burgert: Davon bin ich überzeugt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es einen Personenkreis gibt, der sich für Menschen mit Handicap engagieren möchte.

Besteht auf einer digitalen Plattform nicht die Gefahr, dass Leute nur noch vor dem Bildschirm hocken?

Wolfgang Burgert: Darüber haben wir auch nachgedacht. Aber es ist nun mal Fakt, dass man heutzutage ein Smartphone hat, über das man kommuniziert. Diese Möglichkeit sollen auch Menschen mit Behinderung haben. Was sind die Alternativen? Movies anschauen, Musik hören. Ich finde: Dann ist das Interaktive sinnvoller. Zumal is ja vor allem darum geht, gemeinsame Unternehmungen zu ermöglichen.

Ist es möglich, Behinderte mit der App ins Erwerbsleben zu integrieren?

Wolfgang Burgert: Das ist nicht unser Ziel. Dafür gibt es eine Reihe von Organizationen, zum Beispiel Behindertenwerkstätten. Uns geht es um die soziale Teilhabe.

Wie wird die App bislang angenommen?

Wolfgang Burgert: Wir suchen noch Leute, die sie ausprobieren wollen und uns dann Rückmeldung geben. Ich selbst habe sie schon mit meiner Tochter ausprobiert. Ich gehe davon aus, dass wir die Oberfläche noch anpassen. Ein Prozess, der ein weiteres Jahr dauern wird. Wir arbeiten außerdem an einem Software, das Sprachnachrichten ermöglicht.

Welche Undertaking plan Sie außerdem?

Wolfgang Burgert:Langfristig möchten wir ein Daremanus-Haus mit betreutem Wohnen für Menschen mit seelischer Behinderung eröffnen. Das ist durchaus im Bereich des Machbaren. Wir haben ein Grundstück in Herrsching zur Verfügung. Trotzdem ist es noch ein langer Weg. Denn man braucht einen Träger, der die Einrichtung führt. Den zu finden, ist sehr schwer.

Die App: Wer sich für Menschen mit Handicap einsetzen will, selbst betroffen oder Betreuer ist, kann sich on-line anmelden unter: www.daremanus.de.

Übrigens: Alles aus der Area gibt’s jetzt auch in unserem regelmäßigen Holzkirchen-Publication.

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