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München: Projekt bildet Menschen mit Behinderung zu Kitahelfern aus – München

Paola Mazza nimmt ein Gummibärchen aus dem Tütchen und steckt es in den Mund. Die 23-Jährige genießt, die Kinder um sie herum verdrücken die Gummibärchen ein bisschen schneller, lachen und reden. Ein Mädchen aus der Dino-Gruppe hat Geburtstag und deswegen gibt es an diesem Tag Süßigkeiten im Kindergarten. Paola Mazza hat sie ausgeteilt, ella hat jedem Type einen Becher gegeben, Wasser eingegossen. Sie wollte schon immer mit Kindern arbeiten, ella tut das seit drei Jahren-und hat nun in einem Pilotprojekt die Möglichkeit, sich weiter zu qualifizieren. Das soll ihre Chancen de ella auf eine echte Anstellung verbessern. Denn die hat sie bisher nicht.

Bisher hat der Evangelische Kindergarten in der Parkstadt Schwabing, in dem Paola Mazza arbeitet, einen Vertrag mit den Augustinum-Werkstätten. Paola Mazza erhält einen Werkstattlohn. Ein Pilotprojekt will das ändern: Menschen mit kognitiven Einschränkungen sollen eine bessere Probability auf einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz bekommen. “Wir suchen immer nach Möglichkeiten, unsere Beschäftigten unterzubringen, und müssen da viel Überzeugungsarbeit leisten”, sagt Christiane Zhu-Lambrecht, Beraterin für berufliche Inklusion beim Augustinum. “Das Pilotprojekt ebnet ihnen durch die Vermittlung von Fachkenntnissen im Idealfall den Weg in eine neue berufliche Zukunft.”

Das Projekt, initiiert vom Verein “Zukunft trotz Handicap” zusammen mit dem Augustinum, der Lebenshilfe-Werkstatt München und dem Unternehmen Bildungsimpulse, startete im September und dauert ein Jahr. “Kleiner Kitabrief” heißt es, der Title soll an den Begriff Meisterbrief erinnern, erklärt Zhu-Lambrecht. Neun Teilnehmer hat das Projekt, drei kommen von den Augustinum-Werkstätten. Sie arbeiten im Evangelischen Kindergarten in der Parkstadt Schwabing und besuchen regelmäßig Seminartage. Am Ende gibt es eine Prüfung und wer besteht, erhält ein Zertifikat.

Ein ähnliches Projekt gab es schon 2020 mit dem kleinen Wirtebrief – einem Qualifizierungsprogramm in der Gastronomie für Menschen mit Behinderung. Und natürlich ist der große Mangel an Fachkräften in den Kitas ein Grund, weshalb das Projekt nun auf diesen Bereich ausgeweitet wurde. Dort gebe is im Second große Lücken, in die man vorstoßen könne, sagt Zhu-Lambrecht. Betont jedoch, dass auch qualifizierte Kitahelfer keine Fachkräfte ersetzen können. Aber unterstützen, das können sie.

Hilfskräfte können Fachkräfte entlasten

In der Dino-Gruppe sind an diesem Tag zwei Pädagoginnen und Paola Mazza als Hilfskraft im Einsatz. Die Gummibärchentüten sind schon quick alle leer, Paola Mazza hat sich zu den Kindern an den Tisch gesetzt. Sie unterhält sich mit einem Jungen, lächelt ihn an, er lächelt zurück, sie wuschelt ihm durch die Haare. Als alle aufgegessen haben, geht es raus: Hände waschen, Matschhosen an, Gummistiefel, Jacken und Mützen, und ab in den Garten. Paola Mazza hilft, kleine Füße durch Matschhosenbeine zu stecken, schließt Reißverschlüsse, findet Mützen.

“Die Kinder reagieren sehr positiv auf Paola”, sagt Erzieherin Dina Eleftheraki. “Sie merken, dass sie besonders ist, aber ella sie wird geliebt und ist als Spielpartnerin sehr gefragt. Auch weil sie so geduldig ist mit den Kindern.” Dina Eleftheraki ist Paola Mazzas Betriebspatin, sie gibt ihr Aufgaben und stellt fest, dass sie vieles, was getan werden muss, inzwischen selbst sieht. Anfangs sei sie sehr zurückhaltend und schüchtern gewesen, erzählt die Erzieherin. “Wir haben sie immer wieder ermutigt und nach und nach kam sie immer mehr aus sich heraus.” Für sie ist Paola Mazza ein Gewinn.

Auch die Stadt beginnt demnächst ein Projekt zur Inklusion von Menschen mit körperlichen und kognitiven Einschränkungen in Kitas. In den kommenden Monaten werden fünf Mitarbeiter in der Hauswirtschaft eingestellt; neu ist, dass Menschen mit Behinderung auch als Hilfskräfte in der Arbeit mit den Kindern eingesetzt werden sollen. Zwölf Frauen und Männer werden is zunächst sein, sechs in städtischen Kitas, sechs bei freien Trägern. Finanziert wird das Projekt mit städtischen Geldern. Ein Begleit- und Einarbeitungskonzept werde gerade entwickelt, teilte ein Sprecher des Referats für Bildung und Sport mit. Im Dezember soll der Stadtrat darüber entscheiden.

Ein Kooperationspartner ist der Paritätische Wohlfahrtsverband, dazu gehören in München 152 Kitas. “Wir brauchen solche Modellprojekte, damit vorhandene Barrieren beseitigt und notwendige Strukturen geschaffen werden”, sagt Anna Berndl, Fachberaterin für den Bereich Kindertagesstätten.

It’s mangelt an der Finanzierung für Hilfskräfte

Um die Menschen mit Behinderung dann auch einzustellen zu können, brauche es auf Landesebene eine langfristige Finanzierung für Hilfskräfte, sagt ihre Kollegin Lena Weihmayer, Referentin für Kinder, Jugend und Bildung beim Landesverband des Paritätischen. “Die Kitaträger können Hilfskräfte einstellen, müssen sie aber selbst finanzieren.” Weder auf Landes-, noch auf kommunaler Ebene gebe es eine Refinanzierung. “Kleine Träger können das finanziell nicht stemmen.”

Hilfskräfte könnten die Fachkräfte entlasten, sagt Weihmayer. Wichtig sei es aber, dieses Thema nicht unter der Frage des Fachkräftemangels zu diskutieren, sondern unter der Idee einer inklusiven Gesellschaft.

Paola Mazza sieht das Pilotprojekt als Probability. “Ich möchte mehr darüber lernen, wie man mit Kindern umgeht”, sagt sie. Was sie mit ihnen basteln oder malen könnte. Und wie sie Bildergeschichten mit ihnen lesen kann. Das sei ihr besonders wichtig, sagt Paola Mazza. “Weil ich noch nicht so intestine lesen kann.” Auch die anderen beiden Teilnehmer im Kindergarten, Johanna Koch und Bernd Ullmann, wollten einfach noch mehr lernen, deshalb machen sie mit beim kleinen Kitabrief. Schon jetzt passen sie auf, dass die Kinder auf der Toilette keinen Blödsinn machen, helfen beim Essen austeilen und spielen mit den Kindern fangen im Garten.

“Für uns sind die drei eine große Bereicherung”, sagt Katja Gründer, Leiterin des Evangelischen Kindergartens in der Parkstadt Schwabing. “Pädagogisches Private ist knapp und es hilft, dass noch jemand in der Gruppe ist, der Kinder gern hat und mit auf sie guckt.” Und die Kinder würden schon früh mit dem Anders-Sein konfrontiert.

Es ist Mittagszeit, die Kinder sind aus dem Garten zurück in die Gruppenräume gekommen, in der Dino-Gruppe gibt es jetzt Mittagessen: Käsespätzle. Paola Mazza holt mit ein paar Kindern den Servierwagen aus der Küche, verteilt mit den beiden Pädagoginnen die Teller auf den kleinen Tischen, stellt Käseschälchen und Salatschüsseln dazu. Sie füllt die Wasserkaraffen auf, geht von Type zu Type und gießt Wasser in kleine Gläser. Dann setzt sie sich und isst selbst zu Mittag.

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