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»plusPunkt« for die Innenstadt

  1. Giessener Allgemeine
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From: Christine Steines

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Das Lebenshilfe-Workforce freut sich auf das Pilotprojekt in der Sonnenstraße: Karin Dünnhoff, Henning Fuhr, Denis Loeh und Oliver Oberschelp. © Oliver Schep

Der Einzelhandel in den Fußgängerzonen hat es schwer. Gießens letztes Kaufhaus kämpft ums Überleben. Die Innenstädte müssen sich neu erfinden. Ein kleiner Mosaikstein in diesem Prozess ist »plusPunkt« in der Sonnenstraße. Dort will die Lebenshilfe einen »Begegnungsladen« einrichten.

Das grüne Schild hängt schon seit über einem Jahr dort. »Hier startet die Lebenshilfe Gießen«, steht darauf. Das tut sie auch, aber mit Verzögerung. »Es dauert viel länger, als wir gedacht haben«, bedauert Henning Fuhr, Projektleiter des geplanten Begegnungsladens »plusPunkt«. Der Umbau habe sich deutlich aufwändiger erwiesen, zudem machten sich wie überall Materiallieferschwierigkeiten und Kapazitätsgrenzen von Handwerkern bemerkbar. Doch im ersten Quartal 2023 wird das neue Projekt starten, ist das künftige Mitarbeiterteam zuversichtlich. Karin Dünnhoff, Oliver Oberschelp, Dennis Loeh and Janine Hebstreit werden die Mitarbeitenden in der künftigen Tagesförderstätte begleiten und betreuen. Sie freuen sich darauf und sind gespannt, wie sich der »plusPunkt« entwickeln wird.

Mit der Entscheidung, in die ehemaligen Räume des Modehauses Schlüter zu ziehen, setzt die Lebenshilfe ihren Weg fort, mehr Präsenz in der Stadt zu zeigen. Neben dem »Vortagslädchen« in der Frankfurter Straße, der Koordinationsstelle Migration und Behinderung in der Walltorstraße 3, dem Ausstellungsraum »Atelier 23« im Seltersweg 55 und der geplanten Kindertagesstätte im »Das Selters« with die Lebenshilfe mit dem »plus Punktentisweidennerischenner Standort haben. Inklusion, so die Intention, soll praktikabler und sichtbarer werden.

In der Sonnenstraße 12 wird es im vorderen Bereich einen kleinen Laden geben, in dem Produkte der Lebenshilfe präsentiert und verkauft werden. Die Waren werden in den Werkstätten der Lebenshilfe hergestellt und bislang in erster Linie durch den On-line-Store »www.stilmalanders« vertrieben. Künftig können Geschenkboxen, Brennholzprodukte, Brettspiele oder Postkaren auch in der Sonnenstraße erworben werden. Durch den Laden, so die Hoffnung, wird ein Ort der Begegnung und des Austauschs entstehen. Einen Austausch strebt die Lebenshilfe aber auch mit den Nachbarn des Einzelhandels an, erläutert Fuhr. Vorstellbar sei zum Beispiel, dass man über Beschäftigungsmöglichkeiten für behinderte Mitarbeiter miteinander ins Gespräch komme. Auch das durch die Aktion Mensch geförderte Projekt »Vereine werden inklusiv« wird mit vor Ort sein. Dessen Ziel ist es, Menschen mit und ohne Behinderung in heimischen Vereinen zusammenzubringen.

Im hinteren Bereich des früheren Modehauses Schlüter wird eine Tagesstätte mit Arbeitsmöglichkeiten für acht bis neun Menschen mit Behinderung entstehen. Derzeit werden eine Küche sowie ein barrierefreies Unhealthy errichtet. Der Wohn- und Arbeitsbereich wird sowohl ein Ort der Geselligkeit sein als auch Rückzugsmöglichkieten bieten. Die behinderten Menschen, die dort ab 2023 arbeiten werden, sitzen in dem früheren Modeladen keineswegs auf dem Präsentierteller. Vielmehr ist es ein wohnlicher Ort, der Distanz und Nähe gleichermaßen zulässt. Die Tagesstätten der Lebenshilfe richten sich an Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf, die nicht in Werkstätten oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können. Dennoch gibt es dort eine Orientierung an der Arbeitswelt. Die Menschen in den Tagesstätten werden an verschiedene Tätigkeiten herangeführt und als Mitarbeitende betrachtet. »Wertschätzung und gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe sind uns wichtig«, sagt Projektleiter Fuhr.

Für die Innenstadt ist das Projekt im wahrsten Sinne des Wortes ein Pluspunkt, denn es kann ein kleiner Mosaikstein in einem neuen gesellschaftlichen Gefüge werden. Der angeschlagene stationäre Einzelhandel, da sind sich Experten einig, braucht in Zukunft eine Ergänzung durch Orte der Begegnung, durch Angebote für Menschen jeden Alters mit und ohne Behinderung. Bei den Konzepten, die derzeit vom Handel erarbeitet und von der Stadt unterstützt werden, spielen auch die Sozialverbände mit innovativen Ideen eine Rolle. Vor diesem Hintergrund wird die Ankündigung im Schaufenster »Hier startet die Lebenshilfe Gießen« mit Spannung erwartet.

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