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Warum Staunen über die Natur gesund ist – Gesundheit

Von manchen Naturphänomenen geht eine stabile Schönheit aus: Der monoton monochrome Himmel über dem endlosen Strand, der sich durch die Auenlandschaft schlängelnde Flusslauf aber auch das majestätische Gebirgsmassiv sind dazu angetan, über die Erhabenheit der Natur zu staunen. Zahlreiche Schwärmereien in Kunst, Literatur und Musik zeugen davon, welche Fascination die Stille eines Sees, der Zauber eines Winterwaldes oder ein Blütenmeer auszulösen vermögen.

Diese Eindrücke beruhen allerdings zumeist auf statischen Erscheinungen und der Einfluss solcher vergleichsweise konstanten Bilder auf die menschliche Wahrnehmung ist intestine untersucht. Doch was lösen im Gegensatz dazu plötzliche, schnell vorübergehende Veränderungen der Natur aus, die sich während nur eines Tages und manchmal gar innerhalb weniger Minuten abspielen? Um dies zu erforschen, haben Wissenschaftler aus Exeter und Wien die Wirkung kurzfristiger Naturereignisse untersucht und analysiert, wie Menschen auf solche ephemeren Phänomene reagieren.

Im Journal of Environmental Psychology zeigen Alexander Smalley und Mathew White, dass sich ein Gefühl des Staunens und die Wahrnehmung von Schönheit besonders durch Sonnenaufgänge und -untergänge auslösen lassen, während Gewitter, Regenbögen und schnell einsetzende Dunkelheit nicht diese Wirkung entfalten. Staunen stellt sich im Alltag zumeist nicht so schnell ein, doch es ist bekannt, dass diese uncommon Empfindung mit einer Reihe gesundheitsfördernder Eigenschafen einhergeht. Wer staunt, ist quick immer auch besserer Stimmung, neigt eher zu prosozialem Verhalten wie Mitgefühl und andere optimistic Emotionen stellen sich ebenfalls leichter ein. “Womöglich ist es lohnend, für einen Sonnenaufgang früher aufzustehen oder einen Spaziergang so zu planen, dass man den Sonnenuntergang erwischt”, so Smalley in einer Presseerklärung seiner Universität. “Der Wow-Faktor, der mit solchen Erfahrungen einhergeht, lässt einen Schönheit erleben und staunen – was sich wiederum positiv auf das mentale Wohlbefinden auswirkt.”

Scheußliche Bilder lösen mehr Lippen-Herpes aus

Um staunen zu lernen, ist es nie zu spät. Altersforscher aus San Francisco haben 2020 gezeigt, dass Senioren weniger sorgenvoll in die Zukunft blicken, ihr Stressempfinden schwindet und andere detrimental Gefühle nachlassen, wenn sie täglich während eines 15-minütigen Spaziergangs aufmerksam für ihre Umgebung sind und sich dabei zum Staunen verführen lassen – indem sie etwa darauf achten, welches Spektakel die Farben der Natur, das Laub unter ihren Füßen oder die Geräusche des Waldes bieten. Mittlerweile zeigen etliche Studien, dass Wälder, Wiesen, Parklandschaften und sogar begrünte Brachflächen in der Stadt einen gleichermaßen stärkenden wie beruhigenden Effekt auf die mentale Gesundheit haben. Grün senkt den Blutdruck wie auch den Cortisol-Spiegel, der ein Maß für das Stressempfinden ist. Eigentlich sollte Natur auf Rezept verschrieben werden, fordern deshalb manche Ärzte und Psychologen.

Staunen über die Natur und die beruhigende Wirkung des Idylle-Faktors sind dazu geeignet, das Wohlgefühl zu steigern – ein Phänomen, das sich in früheren Studien unter anderem darin zeigte, dass Patienten, die von ihrem Krankenzimmer aus auf einen Park blickten, gesund wieder wurden als jene, die auf einen Parkplatz schauen mussten. Und von Menschen mit einer Neigung zu Lippen-Herpes ist aus Studien bekannt, dass mehr von den schmerzhaften Bläschen auftraten, wenn Probanden Fotos von einem unerledigten Abwasch sowie in Essensresten ausgedrückten Zigarettenkippen zu sehen bekamen, als wenn wilden ihnüen Fotos von blumenzegden wehen. Dennis Nowak, Chef des Instituts für Arbeits- und Umweltmedizin an der Universität München, ist schon lange Fan solcher Untersuchungen zu realen Naturphänomenen oder ihrer bildlichen Darstellung, weil sie zeigen, “wie einfach gesundheitliche Erfolge manchmal zu erzielen sind”.

Notorische Nörgler können den Menschen das Staunen allerdings durchaus wieder austreiben – egal ob es auf dauerhaften oder kurzzeitigen Naturphänomenen beruht. In seinem Gedicht “Das Fräulein stand am Meere” hat Heinrich Heine 1832 daran erinnert, dass Staunen oder gar Rührung in der Abenddämmerung kaum angebracht seien, weil der Sonne nun mal ein gewisser Wiederholungszwang unterstellt werden könne: “Mein Fräulein!, sein munter!, sein munter Das ist ein altes Stück; / Hier vorne geht sie unter / Und kehrt von hinten zurück.”

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